Gastbeitrag

| 11.09.2020 | Deutsches Institut für Altersvorsorge (DIA) | Klaus Morgenstern

Fridays for Future färbt aufs Investment ab

Jüngere sind für nachhaltige Kapitalanlagen aufgeschlossener

Nachhaltige Kapitalanlagen erlebten in den zurückliegenden Jahren ein starkes Wachstum. Doch die Treiber in diesem speziellen Anlagesegment waren bisher institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Stiftungen, Unternehmen, kirchliche und andere Kapitalsammelstellen. In den Depots der privaten Anleger sind diese speziellen Investments immer noch selten. Doch es gibt Hoffnung auf einen Wandel: Vor allem Jüngere orientieren sich immer mehr an den Kriterien Umwelt, Soziales und Governance.

Lediglich ein Fünftel der privaten Anleger hat bislang Erfahrung mit nachhaltigen Kapitalanlagen. Das ergaben Befragungen im Rahmen der jüngsten Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA). Die überwiegende Mehrheit hingegen besitzt keine nachhaltigen Anlagen beziehungsweise ist gar nicht investiert.

Allerdings könnte sich das künftig ändern. Unter den jüngeren Anlegern ist bereits jetzt die Orientierung auf Themen wie Umwelt oder Soziales in der Kapitalanlage viel stärker verbreitet als unter den älteren Anlegern. In den Altersgruppen bis 35 Jahre haben bereits mehr als 30 Prozent bei der Kapitalanlage schon einmal ein solches Kriterium mit angelegt. Ab Mitte 50 sieht es da umgekehrt aus. Diese älteren Jahrgänge haben sich bislang nur stark unterdurchschnittlich mit Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage beschäftigt.

Zwei weitere Gruppen fallen auf: Menschen mit guten Kenntnissen über Geld- und Kapitalanlagen allgemein und eher risikobereite Investoren. Unter den Befragten, die sich selbst gute Kenntnisse bescheinigen, gaben 31 Prozent an, dass sie schon einmal Nachhaltigkeitskriterien bei einer Investitionsentscheidung berücksichtigt haben. Werden dagegen die eigenen Kenntnisse schlecht eingeschätzt, trifft dies nur auf fünf Prozent zu.

Ähnlich wirkt sich Risikobereitschaft aus. 44 Prozent derer, die sich selbst eher als risikobereit einschätzen, haben bei einer Kapitalanlage schon mal Umwelt- oder sozialen Kriterien in ihre Abwägungen einfließen lassen. Unter jüngeren, gut informierten und eher risikobereiten Anlegern werden Angebote nachhaltiger Kapitalanlagen demnach häufiger auf fruchtbaren Boden fallen. Sie bringen einfach mehr Erfahrung mit dieser speziellen Anlageklasse mit.

Zugleich besteht Anlass zur Hoffnung, dass private Investoren in wachsendem Maße dem Beispiel der institutionellen folgen. Das Interesse an nachhaltigen Kapitalanlagen nimmt nämlich zu. Ein Drittel der Befragten will bei Geldanlagen in den nächsten zwölf Monaten diese Kriterien mit als Maßstab anlegen. Das ist zwar immer noch eine Minderheit, aber schon erkennbar mehr als in der Vergangenheit (19 Prozent). Wiederum fallen die Jüngeren auf: Unter den 16- bis 25-Jährigen erwähnte mit 46,9 Prozent fast die Hälfte solche Überlegungen. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt aller Altersgruppen. Dieser Anteil fällt mit zunehmendem Alter ab, bis er in den beiden ältesten Gruppen nur noch die Hälfte beträgt.

Für nachhaltige Kapitalanlagen dürften sich in nächster Zeit daher vor allem jüngere Menschen entscheiden. Angesichts der von Jüngeren getragenen Protestbewegung gegen die aktuelle Klimapolitik verwundert dies nicht. Die Forderungen der jungen Generation nach einem anderen Umgang mit den natürlichen Ressourcen färbt offenkundig auch auf deren Einstellungen hinsichtlich der Kapitalanlage ab.

Detaillierte Ergebnisse aus der Umfrage finden Sie auf den Webseiten des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

Zum Autor:

Klaus Morgenstern ist Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), einer Denkfabrik, die sich mit Entwicklungen in der Alterssicherung und Demografie beschäftigt. Das DIA legt Studien auf, betreibt Meinungsforschung und entwickelt Tools für die Vorsorge.

Aktuelle Themen